Der Langbogen: Tipps, Tricks & Technik für Anfänger

Der-Langbogen-fuer-Anfaenger

Der Langbogen:

Tipps, Tricks & Technik für Anfänger

Der traditionelle Langbogen fasziniert jeden Bogenschützen. Dem einfachen, gebogenen Stück Holz haftet etwas ursprüngliches und magisches an. Kein Wunder, denn der Langbogen ist ein Symbol europäischer Geschichte.

Traditionelle Langbogen zu Schießen. ist etwas ganz Besonderes. Die Lernkurve ist für Anfänger etwas steiler als beim Jagdrecurve. Aber wer den Langbogen meistert, wird mit allen Bogen erfolgreich schießen. Wer es etwas bequemer will, greift einfach zum modernen Langbogen.


 

Was ist ein Langbogen?

Der-Langbogen-fuer-Anfaenger-Laenge-Vergleich-Reiterbogen
Längenvergleich: Langbogen und ein kleiner Reiterbogen

Man denkt beim Langbogen sofort an Robin Hood oder an mittelalterliche Schlachten. Von Armbrust und Schwarzpulver und auch von modernen Bogengeschichte überholt, hat der klassische Langbogen heute wieder viele Freunde in aller Welt. Aus gutem Grund. Aber bevor wir uns mit der Faszination dieses Bogentyps beschäftigen, müssen wir erst eine Frage beantworten: Was ist eigentlich genau ein Langbogen?

Ein Langbogen ist zuerst einmal nichts anderes, als ein langer Bogen. Ganz unabhängig davon, wie und aus welchem Material er gefertigt wurde.

Als lang gilt ein Bogen, wenn er unaufgespannt ungefähr mannshoch oder sogar etwas höher ist.

 

Ein Langbogen ist ganz einfach ein guter Kompromiss
Nachbau eines prähistorischen Flachbogens aus Ulme

Der Langbogen- schon Ötzi hatte einen

Mannshohe Langbögen, also in einer Länge von  ca. 160-200 cm, wurden seit Urzeiten auf der ganzen Welt benutzt. So hatte Ötzi, der berühmte Mumienfund aus den Alpen, einen Langbogen, mit einer Länge von ca. 180 cm Länge im Gepäck. Die Körpergröße des Eismannes betrug dabei nur ungefähr 160 cm.

Langbogen-Schütze Ötzi lebte vor 5000 Jahren. Die Geschichte des Langbogens reicht allerdings noch viel weiter zurück. Langbögen findet man überall da, wo es geeignetes Holz zum Bogenbau gibt.Aber warum ist der Langbogen so ein Erfolgsmodell?

 

Der-Langbogen-fuer-Anfaenger-Sehnenwinkel
Deutlich sichtbar: Der stumpfe Sehnenwinkel trotz des weiten Auszugs

Ein Langbogen ist ein guter Kompromiss

Daß der Langbogen überall auf der Welt eine ähnliche Länge besitzt, hat einen ganz simplen Grund. Ein Langbogen ist ganz einfach ein guter Kompromiss, wenn man einen alltagstauglichen Bogen zur Jagd und Verteidigung mit einfachen Mitteln herstellen muss.

Die sinnvolle Länge eines Bogens wird durch physikalische und ökonomische Faktoren bestimmt:

  • Der Zweck des Bogens: Jagd und Verteidigung, zu Fuss oder zu Pferd
  • Die Wirkung des Bogens: Penetrationswirkung des Pfeiles
  • Die Zuverläßigkeit , Haltbarkeit, Bedienbarkeit des Bogens
  • Das am besten verfügbare Material für den Bogenbau
  • Die benötigte Arbeit beim Bogenbau

Egal, ob man zum Bogenbau Eibe, Esche, Ulme, Hickory, Osage Orange oder Bambus nimmt, ein Langbogen ist viel schneller und einfacher zu Bauen, als ein kurzer Reiterbogen, mit Horn-und Sehnen-Laminiat. Er ist in kurzer Zeit und mit wenig Werkzeug jagd- oder kriegstauglich. Eine Axt, ein Messer oder Steinklingen reichen.

Durch die Länge des Bogens, ist der Sehnenwinkel beim Schuß nicht so spitz wie bei einem kurzen Bogen. Er lässt sich deshalb angenehm und präzise auch ohne Daumentechnik oder Daumenring schießen. Die Dreifinger, oder mediterrane Schussweise ist ideal. So lassen sich auch hohe Zuggewichte ohne Zubehör ziehen.

Die Länge macht den Bogen gleichzeitig robust. Die Materialbelastung ist beim Biegen der Wurfarme relativ gering. Gut geölt oder gefettet ist der Langbogen wetterfest, ganz im Gegensatz zu den  feuchtigkeitsempfindlichen Horn-Sehnen-Konstruktionen des Südens und Ostens. Der Langbogen besteht in seiner Urform nur aus einem geschnitzen Stück Holz. Er braucht kleine Klebstoffe oder schützende Umhüllungen.

 

Der-Langbogen-fuer-Anfaenger-Flachbogen-Studie
Unten Flachbogen oben Langbogen: Eine Bogenstudie des Autors. Schiesst hervorragend.

Der Unterschied zwischen Langbogen und Flachbogen

Die Länge eines Bogens, sagt noch nichts über die weitere Bauform aus. Man kann Langbögen auf ganz verschiedene Arten bauen. Die verbreitetste Unterart des Langbogens, ist der Flachbogen.

Ja, auch viele Flachbögen sind Langbögen. Der Begriff  „Flach“ bezieht sich auf die Bauform der Wurfarme, nicht die Länge des Bogens. Beim Flachbogen sind die Wurfarme breiter als dick, also flach. Beim „englischen Langbogen“ ist es dagegen genau anders herum.

Diese flache Bauform des Langbogens hat einige Vorteile. Zuverlässige flache Bögen, lassen sich auch aus weniger leistungstarken Hölzern bauen. Durch die, sich in der Breite verjüngenden Wurfarm-Enden, spart man dort Gewicht. Das macht den Bogen in der Theorie schneller. Allerdings hängt das wiederum stark mit den verwendeten Pfeilen zusammen, vor allem mit ihrem Gewicht.

Um es nun endgültig verwirrend zu machen: Flache Bögen können im Prinzip „sicherer“ kürzer gebaut werden als dicke Bögen. Die Belastung verteilt sich dann auf die Breite und nicht auf die Länge des Materials.  Deshalb müssen  flache Bögen nicht unbedingt kurz sein. Totzdem baut man Flachbögen nicht zu kurz. Unter 160 cm wird es auch mit leistungstarkem Holz kritisch. Man kann einen kurzen Vollholz-Boge nicht so weit ausziehen, wie einen langen Bogen.

Der mannshohe Flachbogen ist, historisch gesehen, deshalb der am häufigsten benutzte Vollholz-Bogen. Er bietet besonders bei der Jagd, durch die mögliche hohe Pfeilgeschwindigkeit, einen Vorteil. Aber Geschwindigkeit ist beim Bogenschiessen nicht alles. Wie immer kommt es in der reichen Welt des Bogenschiessens auf den Kontext an.

Alle modernen, mit Fiberglas laminierten Bögenformen, wie Jagdrecurves oder olympische Bögen, sind übrigens technisch gesehen Flachbögen.

 

Der-Langbogen-fuer-Anfaenger-Bauweise-D-Profil
Das typische D-förmige Profil des „englischen“ Langbogens.

Was ist ein englischer Langbogen?

Neben dem Konzept des Flachbogens, gibt es noch eine andere Bauform, bei der die Wurfarme schmal aber dafür dicker gestaltet sind. Das ist die Bauform, die wir heute unter dem Namen Englischer Langbogen oder English Longbow kennen. Das ist die Bauform, mit der wir heutzutage „den“ Langbogen assoziieren, auch wenn das eigentlich nicht ganz korrekt ist.

Erstens ist der Langbogen mit dem D-förmigen Profil keine englische „Erfindung“. Bei Bögen gibt es kein nationales Patent. Die englische Wurzel des Bogens geht eigentlich auf das 19. Jahrhundert zurück, als leichte Bögen dieser Bauform in England zum beliebten Freizeit-Bogenschiessen benutzt wurden.  Mit den brachialen Kriegs-Langbögen, mit Zuggewichten über 100 Pfund, haben diese als Scheiben-Bögen wenig gemeinsam.

Der Bogen mit dem schmalen D-Profil ist zwar langsamer als der Flachbogen, kann aber sehr hohe Zuggewichte liefern und sehr schwere Pfeile verschiessen. Das ist beim kriegerischen Einsatz natürlich ein klarer Vorteil.

Außerdem lassen sich mit dem D-förmigen Profil mehr Bögen aus der gleichen Menge Holz bauen. Das war in früheren Zeiten ein wichtiges Argument. Gutes Bogenholz war schon immer rar. Selbst die Engländer importierten Eibenholz im Mittelalter.

Das was wir heute unter einem Langbogen, oder Englischen Langbogen, verstehen, ist also die viktorianische Interpretation eines mittelalterlichen Kriegsbogens.

Der-Langbogen-fuer-Anfaenger-Englischer-Langbogen-Horn-Tips
Der englische Langbogen oder ELB. Hier die typischen Horn-Tips.

Weitere Merkmale traditioneller „englischer“ Langbögen

Traditionelle „engliche“ Langbögen haben weder einen speziell geformten Griff, noch ein Pfeilauflage. Der Langbogen wird wie alle Primitiv- oder Blankbögen über die Hand geschossen. Manchmal gibt es eine Griffumwickelung aus Leder. Der Langbogen wird wie alle Primitiv- oder Blankbögen über den Handrücken geschossen.

Die Standhöhe ist beim Langbogen niedrig, damit der schwere Pfeil beim Abschuss möglichst lange Kontakt mit der Sehne hat. So kann der Pfeil viel Energie aufzunehmen. Die meisten Langbogen-Schützen verwenden wegen der geringen Standhöhe zur Sicherheit einen Armschutz, da die Sehne beim Schuss oft den Unterarm streift.

Traditionelle Langbögen besaßen häufig Spitzen aus Horn. Bei hohen Zuggewichten schützt das Horn das schmale Holz vor dem Reißen oder Splittern. Ohne die Verstärkung aus Horn, hätte man  die Tips dicker und damit schwerer bauen müssen. Das hätte die Leistung des Bogens, selbst mit schweren Pfeilen, negativ beinflusst.


Fortsetzung folgt….

Bogen-Online-Autor-Ben
Ein Bogen.Online Artikel von Ben

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.