Was bedeutet beim Bogen fastflight-tauglich?

Ist-mein-bogen-fastflight-tauglich-fastflight-sehne

Was bedeutet beim Bogen Fastflight-Tauglich?

„Ist mein Bogen Fastflight-Tauglich?“-  Das ist eine häufige Frage, die besonders Anfänger stellen. Dieser Artikel über Bogen-Sehnen-Materialen erklärt, was es mit der Fastflight-Tauglichkeit auf sich hat und warum der Begriff bei modernen Bögen nur noch wenig Aussagekraft besitzt.

Fastflight-Tauglichkeit ist ein mittlerweile überholter Begriff, der die Material-Belastungsfähigkeit eines Bogens zu beschreiben soll. Fastflight ist der Markenname einer synthetischen Faser der Firma Brownell. Viele Bögen können heutzutage mit Fastflight- oder noch effizienteren Sehnen geschossen werden. Sehr günstige, ältere und traditionelle Bögen sind dagegen (meist) nicht fastflight-tauglich.


Dacron- und Fastflight-Bogensehnen

Ist-mein-bogen-fastflight-tauglich-Materialien
Es gibt verschiedene Garne für den Sehnen-Bau

Bogensehnen können aus unterschiedlichen Materialien hergestellt werden. Nutze man in früheren Zeiten Naturmaterialien, sind heute alle modernen Bogensehnen aus synthetischen Garnen hergestellt. In den 50er Jahren kam Dacron, eine Marke der Firma DuPont, als synthetische Faser für Bogensehnen zum Einsatz und wird bis heute gerne verwendet.

Dazu muss man wissen, dass sich unterschiedliche Sehnen-Materialen auf die Schuss-Leistung, die Reißfestigkeit und Haltbarkeit der Sehne und auch auf den Verschleiß des Bogens auswirken.

Dacron-Sehnen – Ein guter Kompromiß zwischen Effizienz und Sicherheit

Bei Bogensehnen ist besonders die Elastizität des verwendeten Materials von Bedeutung. Auch die Bauweise der Sehne hat darauf einen Einfluss, aber bleiben wir zunächst beim Material.

Bei Bogen-Sehnen gelten zwei einfache Regeln:

  • Je weniger elastisch die Sehne, desto größer die Kraft, die auf den Pfeil übertragen wird.
  • Je weniger elastisch die Sehne, desto größer die Material-Belastung des Bogens

Recurve Bögen und besonders traditionelle Holzbögen brauchen eine gewisse Elastizität der Sehne, um das Zurückschnellen der Wurf-Arme nach dem Schuss abzufangen. Werden die Wurfame zu abrupt gestoppt, können sie reißen oder brechen. In Kombination mit zu leichten Pfeilen verstärkt sich das Problem. Ein leichterer Pfeil nimmt weniger Energie der Sehne auf, als ein schwerer. Am deutlichsten wird dieses Prinzip beim Leerschuss, der auch moderne Bögen zerstören kann.

Dacron ist als Sehnengarn recht flexibel. Diese Flexibilität schützt die die Wurfarme, besonders die empfindlichen, dünnen Tips oder Bogenenden. Für die Hersteller hat das den Vorteil, das die Produktion weniger aufwändig ist. Die Tips müssten für effektiveres Sehnen-Material verstärkt werden, was mehr Arbeit bedeutet.

Durch den Schutz aufgrund der Elastizität, geht etwas Leistung beim Schiessen verloren. Aber Dacron ist als Material haltbar und günstig. Aufgrund dieser Eigenschaften ist Dacron für viele Jahre das Standard-Material für den Sehnenbau gewesen und ist es zum Teil noch heute.

Fastflight-Sehnen – Mehr Leistung für neue Bögen

Jahrzehnte nach Dacron kam das Produkt Fastflight als neues Sehnen-Garn auf den Markt. Fastflight ist leichter und weniger dehnbar als Dacron. Mit einer Fastflight-Sehne lässt mehr Energie auf den Pfeil übertragen. Der Pfeil wird schneller.

Allerdings hat sich im zwanzigsten Jahrhundert auch die Bauweise und das Material zeitgemäßer Bögen verändert. Weiterentwickelte Methode und Materialien im Bogenbau erlauben immer höhere Belastungen und damit auch die Verwendung von effizienteren Sehnen. Das Extrem dieser Entwicklung stellt der Compound-Bogen dar.

Neben dem altbewährten Dacron und dem etwas aus der Mode gekommenen Fastflight, gibt es noch neuere Sehnengarne auf dem Markt. Diese sind noch effektiver. Sie werden zum Teil auch in Kombination verarbeitet. Genannt seien hier z.B. die Marken Dyneema und Vectran. Fastflight (Spectra) ist also nicht mehr das effizienteste Material zum Sehnenbau. Trotzdem wird der Begriff der Fastflight-Tauglichkeit immer noch von Herstellern und Händlern verwendet.

 


Warum benutzen einige Schützen weiterhin Dacron-Bogensehnen?

Ob ein Bogen für Fast-Flight oder Sehnen aus anderen Garnen tauglich ist oder nicht, bestimmt der Hersteller. Jeder Hersteller will sich absichern. So kommt es noch heute vor, das einige neue Bögen trotzdem als nicht Fastflight-Tauglich verkauft werden auch wenn sie es möglicherweise sind.

Einige Schützen schiessen ihre Bögen aber auch lieber mit Dacron-Sehnen, obwohl ihre Bögen für die modernsten und leistungsstärksten Sehnen-Materialen vom Hersteller zugelassen sind. Oft sind sind es die Bogen-Jäger, die weiterhin auf das ältere Material setzten.

Dacron-Sehnen seien im Vergleich zu Fastflight-Sehnen (bzw. im Vergleich zu noch neueren Sehnen), leiser, verzeihender für Fehler und vom Schussgefühl weniger aggressiv. An dieser Meinung scheint etwas dran zu sein, aber wie immer ist beim Bogenschiessen vieles sehr individuell, kontextabhängig und  subjektiv. Es spricht absolut nichts dagegen, eine Dacron-Sehne auf aktuellen Bögen zu schiessen, wenn man besser damit klar kommt.

Ein weiterer Aspekt ist der geringe Preis von Dacron Sehnengarn. Einige Schützen bauen ihre Sehnen, ganz nach ihren Vorlieben selbst. Gerade für Anfänger beim Sehnenbau, ist Dacron deshalb das Material der Wahl.


 

Fazit:

Bogensehnen sind eine Wissenschaft für sich.  Fastflight-Tauglichkeit ist im Prinzip ein veralteter Begriff, denn neben Dacron und Fastflight gibt es heutzutage noch weitere Materialien. Die Faustregel ist: Keine zu modernen Sehnen auf zu alten Bögen, außer man weiß genau, was man tut. Im Zweifelsfall hält man sich am Besten an die Angaben des Herstellers um auf der sicheren Seite zu sein.

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.