Wenn beim Bogenschiessen der Pfeil zu weit links oder rechts trifft

  Wenn beim Bogenschiessen der Pfeil
zu weit links oder rechts trifft

Das beim Bogenschiessen die Pfeile zu weit links oder rechts treffen, ist ein häufiges Phänomen. Jeder Bogenschütze hat irgendwann einmal mit diesem lästigen Problem gekämpft. Oft ist es gar nicht so leicht, die Ursache zu finden. In diesem Artikel gehen wir das Problem systematisch an.

Ob ein Pfeil zu weit links oder rechts trifft, kann von mentalen Faktoren, dem Stand, der Schusstechnik und natürlich vom Bogen und den verwendeten Pfeilen abhängen. Um den Fehler zu finden, ist es am einfachsten, sich im Ausschlussverfahren vorzuarbeiten.

 


 

Pfeil zu weit links oder rechts: Die Konzentration

Einer der offensichtlichsten Gründe, warum die Pfeile nicht ins Ziel gehen, ist mangelnde Konzentration. Instinktives Bogenschießen funktioniert nur, wenn der Zielpunkt im Fokus der Konzentration steht. Mehr zum Thema Instinktives Bogenschiessen findest du hier.

Um die Konzentration als Fehlerquelle auszuschließen, hilft ein einfacher Test:

  • Hefte ein weißes Papier an deine Zielscheibe und male einen gut sichtbaren Punkt in die Mitte.
  • Stell dich in eine Entfernung zum Ziel, in der du den Punkt gut treffen kannst (3-5 m)
  • Visiere den Punkt an, bevor du deine Schuss-Sequenz beginnst.
  • Halte während der Schuss-Sequenz den Punkt die ganze Zeit im optischen und mentalen Focus.

Der Sinn der des Tests besteht darin, bei der optischen Wahrnehmung des Zieles alle Störfaktoren auszuschließen. Beim Schiessen in der Natur, auf 3D-Ziele und auch auf bunte Scheiben, gibt es immer Dinge, die den Focus ablenken können.

BOGEN.ONLINE TIPP:Wenn du merkst, dass dein Focus während deiner Schuss-Sequenz wandert, könnte das die Ursache für die Links- oder Rechts Abweichung sein. Klappt der Schusstest auf den Punkt, aber nicht auf komplexere Ziele, ist wahrscheinlich die Konzentration dein Hauptproblem.

 


 

Pfeil zu weit links oder rechts: Wechsel des Bogens

Verschiedene Bogentypen werden unterschiedlich mit der Hand gegriffen und verhalten sich auch beim Abschuss der Pfeils anders. Wenn du den Bogentyp oder das Modell gewechselt hast, sind Links-Rechts Abweichungen von daher keine Seltenheit. Recurve- und Langbogen haben eine völlig unterschiedliche Handhaltung. Ist man etwas durch Routine gewöhnt, überträgt man es oft unbewusst auf den anderen Bogen.

Steigst du zum Beispiel von einem Recurve- auf einen Langbogen um, dann sind Treffer-Abweichungen nach links ein häufiges Phänomen. Der Handschock lässt den Bogen, beim Griff nach Recurve Art, nach links ausreißen. Auch hier könnte also auch die Ursache für das schlechte Trefferbild liegen.

Aber auch innerhalb der selben Bogenart gibt es unterschiedliche Bauarten, die den Pfeilflug beinflussen können. Nicht alle Recurves haben den Auflagepunkt im gleichen Verhältnis zur Sehne. Manche Schussfenster sind mehr auf die Mitte des Bogens geschnitten als andere. Auch bei Primitivbögen gibt es ganz unterschiedliche Breiten und Tiefen des Griffes.

BOGEN.ONLINE TIPP: Wer gerade den Bogen gewechselt hat, braucht sich nicht wundern, wenn der Schuss zunächst zu den Seiten hin abweicht. Bis man sich an das Schussverhalten eines anderen Bogens gewöhnt hat, dauert es ein wenig. Besteht das Problem nach ein paar Dutzend Schuss immer noch, liegt die Ursache woanders.

 


Pfeil zu weit links oder rechts: Der falsche Spine-Wert des Pfeils

Noch mehr als der Bogen, wirkt sich der verwendete Pfeil auf die Schussgenauigkeit aus. Wechselt man den Pfeil-Typ, ohne zu wissen was man tut, ist ein verändertes Schussbild, mit Abweichungen nach links oder rechts, ganz normal. Der Pfeil muss immer auf den Bogen abgestimmt werden.

Pfeil-Tuning ist natürlich ein ganzes Thema für sich, da viele Faktoren berücksichtigt werden müssen, die sie alle gegenseitig beinflussen:

  • Pfeillänge
  • Pfeilgewicht
  • Gewicht der Spitze
  • Fläche und Bauform der Befiederung
  • Bogentyp
  • Zuggewicht
  • Auszugslänge
  • Pfeil links oder rechts am Bogen
  • Sehnenmaterial

Letztlich bestimmen all diese Faktoren die passende Biegesteifigkeit, den richtigen Spine-Wert des Pfeils für den Schützen und seinen Bogen.

BOGEN.ONLINE TIPP: Zum Spine-Wert gibt es eine Daumenregel: Ein für den Bogen zu steifer Pfeil zieht nach links und oben, ein zu flexibler Pfeil nach rechts und unten. Das ist die grobe Orientierung. Will man es genau wissen, kommt man um einen Rohschafttest und die Beratung durch eine erfahrenen Schützen, Bogen oder Händler nicht herum.

 


Pfeil zu weit links oder rechts: Der Stand

Ein Grund, warum Pfeile beim Bogenschiessen seitlich daneben gehen, ist möglicherweise der Stand des Schützen. Viele instinktive Schützen stehen sehr offen, statt seitlich ausgerichtet, zum Ziel. Der Bogen-Arm tendiert nach dem Lösen des Schusses oft dazu, sich nach Außen zu bewegen. Also genau in die Richtung, in die der Schütze seinen Arm beim Ausziehen des Bogen streckt.

Steht man beim Schuss zu offen, so hat der Arm theoretisch viel Bewegungsspielraum nach Außen. Manche Schützen verreißen deshalb den Schuss beim Lösen nach links. Für Linkshand -Schützen gilt das gleiche Prinzip, nur spiegelverkehrt.

BOGEN.ONLINE TIPP: Man stellt sich versuchsweise strikt seitlich ausgerichtet zum Ziel. So wird die Bewegungfreiheit des Bogens-Arms eingeschränkt. Jetzt kann man leicht testen, ob die Treffer-Abweichung nach links, von einem zu offenen Stand kommt.

 


Pfeil zu weit links oder rechts: Zu kurzer Auszug

Ermüdung oder ein zu hohes Zuggewicht führen schnell zu einem zu kurzem Auszug. Bei einem langen Auszug liegt der Pfeil in einem flacheren Winkel am Bogen an, als bei einem kurzen Auszug.  Ein verkürzter Auszug sorgt also ebenso dafür, dass die Pfeile zu weit links treffen.

Mit einem verkürzten Auszug ändert sich auch der benötigte Spine-Wert des Pfeils. Es wirkt weniger Kraft auf den Pfeil. Ein um ein Zoll verkürzter Auszug, kann ein paar Pfund Zugstärke weniger bedeuten. Das wirkt sich nicht nur auf die Höhe des Treffers aus, sondern sorgt auch wieder für Links-Rechts-Abweichungen im Trefferbild.

Mehr Pausen beim Schiessen, ein leichterer Bogen und bessere Technik schaffen Abhilfe.

BOGEN.ONLINE TIPP: Eine feste „Markierung“ am Pfeil, zum Beispiel die Berührung der Pfeilspitze an der Bogenhand vor dem Lösen, sorgt für einen gleichbleibenden Auszug, der für präzise Treffer absolut notwendig ist. Je nach Bogen-Typ kann auch ein Clicker am Bogen montiert werden. 

 


Pfeil zu weit links oder rechts: Verdrehen der Bogensehne

Befinden sich der Bogen und die Sehne beim Auszug nicht auf einer Ebene, wird der Schuss verfälscht. Das passiert durch schlechte Form beim Schuss.

Besonders beim Recurve-Bogen ist es möglich, die Sehne in einem anderen Winkel auszuziehen als der Bogen gehalten wird. Die flexiblen Bogenenden werden dabei leicht verdreht, ohne das man das bemerkt. Wird der Schuss gelöst, richten sich die Bogenenden wieder in ihre normale Position aus. Dadurch kann der Schuss nach links verfälscht werden.

Beim Langbogen ist dieses Problem weniger zu finden. Der Langbogen „wehrt“ sich Bauart-bedingt gegen die Verdrehung der Wurfarme.

BOGEN.ONLINE TIPP: Um heraus zu bekommen, ob hier das Problem des schlechten Trefferbildes liegt, kann man versuchen Kopf, Oberkörper, Bogen und die Sehne in eine Ebene zu bekommen. Bewegt man jetzt den Bogen, bewegt man den kompletten Oberkörper. So lässt sich der Bogen verkanten, ohne dass sich die Wurfarme beim Auszug verdrehen.  Der Schuss bleibt präzise.

 


Fazit:

Die Ursache für eine Links- oder Rechts-Abweichung beim Bogenschiessen zu finden, ist nicht ganz leicht. Die hier genannten Faktoren können sich natürlich auch gegenseitig beeinflussen und das Problem verstärken. Am Besten geht man in aller Ruhe schrittweise vor, damit sich Faktor um Faktor ausschließen lässt.

Am Ende wird man auf jeden Fall bewusster Schießen, mehr Gefühl für seine Ausrüstung entwickeln und natürlich die eigene Schusstechnik verbessern. Das geht nicht von heute auf Morgen, gutes Bogenschießen braucht Zeit – aber es lohnt sich!

 

Ein BOGEN.ONLINE Artikel von Ben
Ein BOGEN.ONLINE Artikel von Benbow

Comments are closed, but trackbacks and pingbacks are open.